Die Cyberbedrohungslage verändert sich rasant: KI-basierte Hackerangriffe werden präziser, vernetzte Produktionssysteme erweitern die Angriffsfläche und Betrugsvarianten werden raffinierter. Für den Maschinen- und Anlagenbau entsteht dadurch ein vielschichtiges Risikoprofil, das weit über klassische IT-Sicherheitsfragen hinausgeht. Eine ganzheitliche Analyse, Bewertung und Absicherung von Cyberrisiken sind heute unverzichtbar.
Risiko künstliche Intelligenz: Die Bedrohungslage verändert sich rasant
Generative KI (GenAI) verleiht Cyberangriffen eine neue Dynamik: Phishing-Mails klingen wie echte Geschäftskorrespondenz, Deep-Fake-Avatare ahmen in Online-Meetings überzeugend Führungskräfte nach und die sogenannte Schatten-KI öffnet unbemerkt Einfallstore im eigenen Unternehmen. Laut Netskope haben sich die Datenmengen, die an Apps wie ChatGPT gesendet wurden, innerhalb eines Jahres verdreißigfacht. Unter den übermittelten Inhalten fanden sich neben sensiblen Daten sogar Passwörter, Quellcodes und geistiges Eigentum. Ohne klare KI-Richtlinien, technische Kontrollen und Freigabeverfahren drohen Datenabfluss, Compliance-Verstöße und Know-how-Verlust.
Auch im Bereich Ransomware stellt der Einsatz von KI eine neue Risikodimension dar. Mit „PromptLock“ hat ESET erstmals eine Schadsoftware beobachtet, die ein lokal installiertes KI-Sprachmodell nutzt, um Dateien zu durchsuchen, zu bewerten und Angriffsskripte zu erstellen. In industriellen Umgebungen hat diese Entwicklung gravierende Folgen: KI-gestützte Ransomware kann Systeme präziser analysieren, Angriffsmuster variieren und signaturbasierte Abwehrmechanismen umgehen. Unternehmen benötigen daher Lösungen, die ungewöhnliche Skriptgenerierung, autonome Dateioperationen und andere auffällige Verhaltensmuster in Echtzeit erkennen und blockieren können.
Risiko Industrie 4.0: Vernetzte Produktion öffnet neue Einfallstore
Mit der IT/OT-Konvergenz in Industrie-4.0-Umgebungen wächst die Angriffsfläche. Laut einer Studie von Omdia meldeten 2024/2025 rund 80 Prozent der Fertigungsunternehmen einen deutlichen Anstieg sicherheitsrelevanter Vorfälle. Im Fokus stehen vor allem Cyber-to-Physical-Angriffe, bei denen IT-Vorfälle den Betrieb von Produktionsanlagen stören. Solche Zwischenfälle verursachten typischerweise Ausfallkosten zwischen 200.000 und zwei Millionen US-Dollar, besonders wenn zentrale Steuerungen betroffen waren.
Der letzte Forescout-Bericht bestätigt diese Entwicklung: Die Zahl aktiver Angreifer im Fertigungssektor ist um 71 Prozent gestiegen, zahlreiche Gruppen fokussieren gezielt OT- und ICS-Systeme. Neben Spionage und Sabotage spielen Ransomware-Angriffe mit „Double-Extortion“-Strategien weiterhin eine zentrale Rolle. Typische Einstiegspunkte sind Schwachstellen in VPN-Zugängen, Cloud-Konfigurationen und Fernwartungslösungen. Für Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus bedeutet dies: IT und OT müssen gemeinsam betrachtet, Produktionsnetze klar segmentiert und Zugriffe streng kontrolliert werden. Ergänzend gewinnen strukturiertes Schwachstellenmanagement, unveränderliche Backups und eine gelebte Sicherheitskultur mit klaren Verantwortlichkeiten an Bedeutung.
Industrie 4.0 braucht individuelle Risikolösungen
„Industrie 4.0 erweitert die Angriffsflächen in der Produktion und erfordert eine fundierte Analyse der unternehmensspezifischen Risikosituation. Die VSMA unterstützt Maschinen- und Anlagenbauer mit persönlichen Ansprechpartnern dabei, ihre spezifischen Exponierungen zu bewerten und eine bedarfsorientierte Absicherungslösung zu erarbeiten, die zu ihren technischen und betrieblichen Abläufen passt.“
Birger Jeurink, Geschäftsführer VSMA GmbH
Risiko Cyberbetrug: KI-Phishing, Deepfake-Vishing und Fake President
Phishing ist schon lange ein zentrales Risiko, wird durch KI aber deutlich gefährlicher. Statt holpriger Formulierungen erzeugen KI-Modelle täuschend echte E-Mails, können Stimmen nachahmen und sogar Personen in Online-Meetings simulieren. Damit erreicht etwa der Chefbetrug (Fake President), bei dem sich Täter als Geschäftsleitung ausgeben, um Mitarbeitende zu Zahlungen zu bewegen, eine völlig neue Dimension. In einem Fall überwies ein Mitarbeitender eines Baukonzerns etwa 23 Millionen Euro nach einer Videokonferenz mit vermeintlichen Führungskräften, die sich später als Deepfake-Avatare herausstellten.
Auch andere Formen des Cyberbetrugs nehmen zu. Beim Zahlungsbetrug etwa geben sich Täter per E-Mail als Geschäftspartner aus und übermitteln für eine bereits erfolgte Lieferung neue Kontodaten. Beim Bestellerbetrug treten sie als Bestandskunden auf und lassen hochwertige Waren an alternative Adressen umlenken. Hohe Schäden verursacht auch der Rechnungsbetrug, bei dem täuschend echte Rechnungen für regelmäßig bezogene Leistungen eingereicht werden. Gemeinsam ist diesen Angriffen, dass nicht die IT-Infrastruktur im Mittelpunkt steht, sondern die Täuschung von Menschen oder die Manipulation betrieblicher Abläufe. Die Schäden entstehen fast immer in Form unmittelbarer Vermögensverluste.
Fazit und Empfehlungen: Bausteine einer ganzheitlichen Cyberabsicherung
Die Vielfalt aktueller Angriffsformen zeigt, dass isolierte Versicherungslösungen heute nicht mehr ausreichen. Klassische Hackerangriffe – etwa mittels Ransomware – und betrugsbasierte Methoden treten parallel auf und verstärken sich gegenseitig. Für den Maschinen- und Anlagenbau folgt daraus: Nur eine ganzheitliche Absicherungsstrategie schafft ein belastbares Sicherheitsniveau. Die folgenden Bausteine bilden dafür den zentralen Rahmen.
Baustein Cyberversicherung: Technische Angriffe auf IT-Systeme und Netzwerke
Eine Cyberversicherung schützt vor den Folgen von Angriffen auf IT- und vernetzte Produktionssysteme und deckt dabei in der Regel sowohl Eigenschäden als auch Drittschäden ab. Sie greift bei technischen Ereignissen wie Datenverschlüsselungen, Systemausfällen oder Produktionsstillständen infolge von Eingriffen in betriebliche IT-Strukturen.
Der Deckungsumfang umfasst typischerweise Eigenschäden wie Betriebsunterbrechungs- und Produktionsausfallschäden, die Kosten der Daten- und Systemwiederherstellung sowie anfallende Rechtsanwaltskosten. Auf der Seite der Drittschäden sind im Idealfall Ansprüche wegen Nutzungsausfalls gelieferter Maschinen oder Schadenersatzforderungen aufgrund von Datenmissbrauch mit abgedeckt. Moderne Cyberpolicen bieten außerdem Assistance-Leistungen wie eine 24/7-Hotline und ein Incident-Response-Team, das Unternehmen im Ernstfall unmittelbar mit erfahrenen Experten unterstützt.
Für Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus ist darüber hinaus entscheidend, dass der Versicherungsschutz die Realität vernetzter Produktionswelten abbildet. Eine zeitgemäße Police sollte weltweit gelten, den gesamten Unternehmensverbund einschließlich in- und ausländischer Tochtergesellschaften erfassen, Homeoffice- und Remote-Strukturen berücksichtigen und Sachschäden an der eigenen IT-Infrastruktur – etwa an Servern, Steuerungssystemen oder vernetzten Produktionsanlagen – mitversichern.
Baustein Vertrauensschadenversicherung: Vermögensschäden durch Betrug und Täuschung
Die Vertrauensschadenversicherung setzt dort an, wo Schäden nicht primär durch einen technischen Angriff entstehen, sondern durch vorsätzliche und betrügerische Handlungen von Mitarbeitenden, anderen Vertrauenspersonen oder externen Tätern. Im Mittelpunkt stehen unmittelbare Vermögensschäden, die durch Täuschung, Unterschlagung, missbräuchliche Nutzung von Zugriffsrechten oder manipulierte Geschäftsprozesse verursacht werden.
Der Versicherungsschutz umfasst sowohl Schäden, die durch interne Vertrauenspersonen entstehen – etwa Diebstahl, Unterschlagung oder andere direkte Eingriffe in das Firmenvermögen durch Mitarbeitende oder in das Unternehmen eingebundene Berufsgeheimnisträger – als auch Schäden durch externe Täter, beispielsweise durch gefälschte Identitäten, manipulierte Überweisungen oder betrügerische Zahlungsaufforderungen. Darüber hinaus sind in der Regel die unerlaubte Weitergabe von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen sowie Formen des Internetbetrugs versichert, bei denen Dritte Bankdaten oder Passwörter manipulieren, um unberechtigte Transaktionen auszulösen.
Damit ergänzt die Vertrauensschadenversicherung die Cyberversicherung um einen essenziellen Baustein: Sie schützt vor betrugsbedingten Vermögensverlusten, die häufig nicht auf einem klassischen IT-Vorfall beruhen, sondern auf der gezielten Täuschung von Mitarbeitenden und der Manipulation betrieblicher Abläufe.
Zusatzbaustein Cyber Awareness: Aktive Sensibilisierung der Mitarbeitenden
Auch die beste Technik stößt an Grenzen, wenn Mitarbeitende nicht auf aktuelle Angriffsmethoden vorbereitet sind. Da ein Großteil der Cybervorfälle mit manipulierten Nachrichten oder Phishing-Mails beginnt, gehört ein strukturiertes Awareness-Konzept zu den zentralen Bausteinen einer ganzheitlichen Absicherung. Moderne Trainingslösungen simulieren realistische Spear-Phishing-Angriffe, spielen automatisch passende E-Learning-Einheiten aus und messen das Sicherheitsverhalten kontinuierlich. So lassen sich menschliche Fehler nachhaltig reduzieren und interne Sicherheitsstandards verbessern.
Unterstützung für VSMA-Kunden: Persönliche Beratung für eine robuste Cyberabsicherung
Die Cyberrisiken im Maschinen- und Anlagenbau variieren je nach Geschäftsmodell, Internationalität und Produktionsumgebung erheblich. Daher analysiert die VSMA gemeinsam mit den Unternehmen die individuelle Risikosituation und entwickelt eine passgenaue Absicherungslösung. Für die Branche stehen bereits folgende VDMA-Spezialkonzepte zur Verfügung, die bedarfsorientiert kombiniert werden können:
- VDMA Cyber-Police:
https://unternehmen-cybersicherheit.de - VSMA Vertrauensschadenversicherung: https://www.vsma.de/vertrauensschadenversicherung-umfassender-schutz-vor-betrug-und-cyberrisiken-wird-immer-wichtiger
- VDMA Cyber Awareness:
https://vdma-cyber-awareness.de
Sie möchten sich beraten lassen? Vereinbaren Sie gerne einen Termin: https://www.vsma.de/kontakt
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THOMAS VÖLKER
Spartenverantwortlicher Cyber Versicherung
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