Smartphones erleichtern vieles, öffnen aber auch Einfallstore für Hacker. Cyberangriffe über Apps, Messenger oder WLAN-Netze haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Prominentes Opfer: Jeff Bezos. Das Handy des Amazon-Gründers wurde über ein WhatsApp-Video mit Schadsoftware infiziert, die Daten ausspionierte. Lesen Sie hier, welche Angriffsmethoden beliebt sind und wie sich Unternehmen schützen können.
Angriffe auf Handys im Minutentakt
Das Smartphone hat für viele Menschen den herkömmlichen Computer als Zugangsgerät zum Internet abgelöst. Schlecht geschützte Handys sind daher ein beliebtes Angriffsziel für Hacker. Wie groß die Bedrohung durch schädliche Apps ist, zeigen aktuelle Zahlen von Kaspersky: Allein im zweiten Quartal 2026 wurden mehr als 304.000 schädliche Android-Installationspakete erfasst. Messenger-Dienste wie WhatsApp werden ebenfalls zur Verbreitung von Malware genutzt.
Diese Erfahrung musste auch Jeff Bezos machen. Der CEO von Amazon öffnete 2018 eine WhatsApp-Nachricht, die eine mit Spyware infizierte Videodatei enthielt. Nachdem 2019 intime Nachrichten des Amazon-Gründers in der Presse veröffentlicht wurden, ließ Bezos sein iPhone untersuchen. Das Ergebnis: Nach dem Öffnen der Videodatei kam es zu einem „anormalen und extrem veränderten Verhalten des Telefons“. Es seien enorme Datenmengen abgeflossen. Der Vorfall ist nur einer von vielen, bei denen ein Smartphone ausspioniert wurde. Im Maschinen- und Anlagenbau, wo es oft um wertvolle und geheime Informationen geht, kann ein solcher Angriff schwerwiegende Folgen haben.
Beliebte Methoden der Hacker
Phishing und Social Engineering gehören nach wie vor zu den relevanten Angriffsmethoden. Dabei geraten Smartphones zunehmend in den Fokus: Laut Verizon Data Breach Investigations Report 2026 sind telefonzentrierte Social-Engineering-Angriffe über gefälschte SMS und betrügerische Anrufe um 40 Prozent erfolgreicher als klassisches E-Mail-Phishing. Auf dem Smartphone lauern entsprechende Nachrichten zudem nicht nur im E-Mail-Postfach, sondern auch in SMS, WhatsApp-Nachrichten und Social-Media-Messengern. Auch infizierte Apps, Schwachstellen in der Gerätesoftware und öffentliche WLAN-Netze werden häufig von Hackergruppen genutzt, um Schadsoftware zu verbreiten und sensible Informationen abzufangen.
Hinzu kommen Betrugsmaschen rund ums Handy. Beim SIM-Swapping beispielsweise beschafft sich der Angreifer im Vorfeld persönliche Daten des anvisierten Opfers und beantragt mit diesen eine neue SIM-Karte beim Mobilfunkanbieter an. Mit der SIM-Karte kann der Betrüger dann Nachrichten mitlesen und sich sogar Zugang zu allen Online-Diensten des Opfers verschaffen, bei denen eine mobilfunkbasierte Authentifizierung oder Passwortwiederherstellung möglich ist.
Schutzmaßnahmen für Unternehmen
Aktuelle Zahlen zeigen, dass mobile Geräte zunehmend ins Visier von Cyberkriminellen geraten. Laut Zimperium stieg die Zahl der auf mobilen Geräten von Mitarbeitenden erkannten Phishing-Ereignisse seit Januar 2025 um 380 Prozent. Besonders die Nutzung privater Smartphones für berufliche Zwecke stellt Unternehmen vor Herausforderungen. Denn auf privaten Geräten haben die IT-Verantwortlichen keine Kontrolle über die installierten Apps oder den Patch-Stand.
Der Schutz mobiler Geräte sollte daher dringend in die IT-Sicherheitsstrategie integriert werden. Folgende Maßnahmen werden empfohlen:
1. Ausstattung mit Firmengeräten
Stellen Sie Ihren Mitarbeitenden sicher vorkonfigurierte Firmengeräte und entsprechendes Zubehör zur Verfügung. Weisen Sie Ihr Team zudem explizit darauf hin, dass bei einer Verbindung mit dem Firmennetzwerk alle Anwendungen im Hintergrund geschlossen werden müssen – auch die geschäftlichen E-Mails.
2. Sicherheitsrichtlinien
Führen Sie verbindliche Sicherheitsrichtlinien für die geschäftliche Nutzung von Smartphones ein. Dazu gehören Passwortrichtlinien, Regeln für den Download von Apps und klare Vorgaben für den Zugriff auf Unternehmensdaten. Auch regelmäßige Updates von Betriebssystemen und Apps sollten für Ihr Team ebenfalls selbstverständlich sein.
3. Mobile Device Management (MDM)
Verwenden Sie ein MDM-System, um den Zugriff auf Unternehmensdaten auf autorisierte Geräte zu beschränken und sicherzustellen, dass verlorene oder gestohlene Geräte sofort gesperrt werden können.
4. Virtual Private Network (VPN)
Der Zugriff auf Unternehmensnetzwerke sollte – auch vom Smartphone aus – nur über ein kryptografisch abgesichertes Virtual Private Network (VPN) möglich sein.
5. Zwei-Faktor-Authentifizierung
Verlangen Sie vor dem Zugriff auf Ihre Unternehmensnetzwerke und -daten die Eingabe eines zusätzlichen Codes oder Tokens, um die Sicherheit zu erhöhen.
6. Schulung der Mitarbeitenden
Führen Sie ein umfassendes Cyber-Awareness-Konzept ein, das Ihr Team auch für die Gefahren rund um das Smartphone sensibilisiert. Informationen über gefährliche Apps, aktuelle Angriffsarten und die Risiken von WLAN- und Bluetooth-Verbindungen sollten ebenso dazu gehören, wie realitätsnahe Phishing-Simulationen und Schulungen zu Social-Engineering-Angriffen auf Facebook, LinkedIn und Co.
Bildnachweis: Stock-Illustration ID: 2249349207 • NMStudio789
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